Roman-Kostprobe Teil 2

Nachdem mein Buch bei HR 1 als Geschenktipp gefeatured wurde/wird, hier  nun Teil 1 des ersten Kapitels zum Reinschmökern.
Noch würde es mit einer Online-Order bis zum 24.12. funktionieren, beim Buchhändler eures Vertrauens ohnehin.
Hier nun aber Jans pikanktes Erlebnis im Stuhllager eines Frankfurter Nobelhotels.

Erstes Kapitel: She works hard for the money

Endlich Pause. Hastig verließen wir die Bühne des Hotels
Steigenberger Frankfurter Hof. Einmal mehr hatten wir
schmatzenden Bankern einen »Dinnermusik-Block« mit
all den Billy Joels, Elton Johns und Frank Sinatras dieser
Welt zu ihrem edlen Hauptgang serviert. Immerhin hatten
wir nun den ödesten Part unseres Jobs hinter uns. Entsprechend
gut gelaunt stürzten wir uns in der Garderobe
auf unser Band-Catering, das zwar ansprechend aussah,
mengenmäßig aber so schwachbrüstig daherkam wie eine
rumänische Bodenturnerin. Unter einer schicken Haube
langweilten sich jeweils vier kleine Gnocchi neben einem
Miniaturstück Wildschweinbraten an einem Hauch von
blanchiertem Wurzelgemüse. »Erst wenn die letzte Crème
brûlée abgefackelt, die letzte Auster geschlürft, das letzte
Huhn geperlt und der letzten Gänseleber das Maul gestopft
ist, werdet ihr merken, dass man von einem Michelin-Stern
nicht satt wird«, schrieb Mark, unser Gitarrist, an diesem
Abend ins Gästebuch des Hotels.
Nachdem ich mich so richtig hungrig gegessen hatte,
musste ich erst mal eine rauchen. Ich lief den kleinen Flur
in Richtung Personaleingang hinunter und schob mir eine
Kippe anzündfertig in den Mund. Plötzlich hörte ich ein Geräusch.
Aus der angelehnten Tür des Stuhllagers quietschte
es in einer rhythmischen Gleichmäßigkeit, die unseren
Schlagzeuger Oli begeistert hätte. Dazu gesellte sich ein
dumpfes Stöhnen, gepaart mit einigen schrillen »Jas« und
»Ohs«. Gepaart … Ich benutze nicht von ungefähr dieses
Wort, denn mir war schnell klar, was da im Stuhllager vor
sich ging.
Vorsichtig schob ich mich durch den schmalen Türspalt
und sah, wie es links hinten in der Ecke zwei Menschen derart
heftig im Stehen trieben, dass die Stuhltürme, an denen
sie lehnten, bedrohlich schwankten. Lautlos machte ich einen
kleinen Schritt nach vorne, um noch besser sehen zu
können. Nee, oder? Das war doch Dr. Juncker, der künftige Vorstandschef
der HESSENBANK. Vor gut einer Stunde hatte
er drüben im großen Saal noch einen Multimedia-Vortrag
über die vielschichtige Neuausrichtung der wichtigsten
Bank Hessens gehalten. Überall lagen Broschüren aus, die
ihn als toughen Geschäftsmann, aber auch als treusorgenden
Familienvater neben aufgesetzt lächelnder Frau und
gequält grinsenden Kindern zeigten.
Aber es gab keinen Zweifel, es war tatsächlich Mr. Finanzstrahlemann,
der gerade in einem schäbigen Lagerraum
seine schneidige Power-Point-Assistentin schnörkellos gegen
die Stuhltürme fusionierte. Die Geräusche wurden lauter,
es war ohren- und augenscheinlich, dass der außereheliche
Stuhllagerakt auf das Ende zuging. Ein Finale furioso.
Mr. Focus-Money gab alles. Sein Chart erreichte den Breakeven,
die Schlussperformance war beachtlich.
Ohne nachzudenken zündete ich mir die Kippe an, um
auf den Punkt genau einen genüsslichen »Zug danach« nehmen
zu können. Dann der Crash.

Fortsetzung folgt…

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